Buchauszüge

Textauszug von Mareike (Name geändert)
Du sitzt in deiner Wohnung, siehst die Dinge um dich herum, dann wird das Licht immer weiter heruntergedimmt, du siehst immer weniger, bis nichts mehr da ist: So ist die Depression. Sie ist die absolute Dunkelheit. Man sackt in ein Loch, in ein finsteres, schwarzes Loch. Man steckt in sich selbst drin, in seiner eigenen kleinen Folterkammer.

In der ersten Zeit konnte ich nichts leisten, gar nichts: den Müll herunterbringen ging nicht. Vier Etagen gehen ‒ wie sollte ich das schaffen? Mein Freund sagte: Ich ertrage nicht mehr, was für ein Gesicht du ziehst. Ich schaute in den Spiegel und erschrak. Die Mundwinkel hingen, meine Augen waren zwei schwarze Löcher, ganz stumpf. Ich war in mich zusammengefallen. Ich dachte: Du bist Müll. Stundenlang saß ich auf dem Sofa. Ich fühlte mich k.o., zu k.o., um den Arm zu heben. Es war, als ob da ein Medizinball drauf läge. Ich wollte nur schlafen, mich ausruhen, doch nichts ruhte mich aus.

Irgendwann dachte ich, dass ich innerlich kaputt gehe, dass meine Seele Risse bekommt. Ich wusste, dass ich mich mal gefreut hatte, aber ich freute mich nicht mehr. Mich streiten zu können, mich aufregen zu können, fühlen zu können, da war: nichts. Der Körper fährt herunter, und auch die Seele: Sie steht still. Die Depression ist wie ein Winterschlaf, aber während du drin bist, kommt es dir vor wie ein Todesschlaf. Ich fragte mich: Was bin ich, wenn ich kein Gefühl habe?